Lochner Prangerschützen

      

Die Geschichte des Prangerschützenwesens

 

Es wird von Seiten der Prangerschützen Lochen beabsichtigt, im Imformationsblatt der Gemeinde Lochen einige wichtige Etappen der Geschichte des Schützenwesens in Lochen darzustellen.

Die Informationen wurden aus der derzeit in Mattsee (Bajuwarengehöft Weyerbucht) laufenden Ausstellung „Feyerschützen-Pauren, Söhn und Knecht-Die Geschichte des Schützenwesens im ehemaligen Pfleggericht Mattsee vom 16.ins 21.Jahrhundert“ entnommen.

Die Ausstellung ist bis 30. September an jedem Samstag, Sonn-und Feiertag von 15.00 bis 18.00 Uhr Geöffnet.

Eine große Menge der Quellen beziehen sich auf Lochen.Ein Brief des Lochner Schützenhauptmannes aus dem Jahr 1807 ist hier besonders zu nennen,

 

Die Geschichte der Prangerschützen

 

Für folgende Abhandlungen werden meist Mattseer Quellen herangezogen. In ähnlicher Weise muss die Entstehung des Festschützenwesens auch für Lochen angenommen werden. Doch vorerst stellt sich die Frage, woher das Fronleichnamsfest, der „Prangtag“, überhaupt kommt?

 

Eine öfters wiederkehrende Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich um das Jahr 1209 scheint die Begebenheit für die Einführung des Fronleichnamsfestes zu sein. Sie sah eine dunkle Stelle in der leuchtenden Mondscheibe und deutete dies als das Fehlen eines eucharistischen Festes im kirchlichen Jahreskreis. Der Bischof von Lüttich führte auf das Drängen einiger Seiten in seiner Diözese im Jahr 1246 das Fronleichnamsfest ein. Der Name gründet sich aus den Teilen „fron“ für „Herr“ und „lichnam“ oder später „leichnam“ für „lebendiger Leib“, zusammen also soviel wie „Fest des lebendigen Herrenleibes“. Papst Urban IV. war in früheren Zeiten einmal Archidiakon in Lüttich und verordnete 18 Jahre später dieses Fest für die gesamte Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Fronleichnamstag immer prunkvoller ausgeschmückt. Daher wird der Name Prangtag in unseren Breiten verständlich, bedeutet doch prangen soviel wie herausstellen, hervorstechen oder hervorheben.

Der Ausdruck Prangerschützen (Festschützen mit Gewehren) und Prangerstutzenschützen (Festschützen mit Prangerstutzen) ist demnach selbstredend. Ab 1672 wird der heute ebenfalls geläufige Ausdruck Cranzltag in Mattseer Kirchenrechnungen für das Fronleichnamsfest verwendet. Diese Bezeichnung deutet auf die geflochtenen Kränze auf den Altären bei den Stationen während der Prozession hin. Auch die Köpfe der Mädchen und jungen Frauen waren mit Blumenkränzen aus Margeriten geschmückt.

 

 „Schiessen zu höchster Gottes Ehr“

 

Wann zu kirchlichen Festen das Schießen üblich wurde, läßt sich nicht genau feststellen. Es dürfte aber spätestens am Beginn des 17. Jahrhundert seine Verbreitung im Volk gefunden haben. Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems (1612 – 1619) galt als ausserordentlicher Förderer der prunkvollen Ümzüge. Auch die verschiedenen Bruderschaften betätigten sich besonders bei der Ausgestaltung kirchlicher Feste. Ab 1669 förderte die „Rosenkranzbruderschaft“ in Mattsee das Lärmbrauchtum zum Fronleichnamsfest: Dan am H: fronleichnambstag wegen Schiessen zu höchster Gottes Ehr für pulfer bezalt 2 fl 15ß, steht in einem Rechnungsbuch geschrieben.

Unter Stiftsdechant Johann Sebastian Wiesinger (1680 – 1713) wurden prunkvolle Umzüge mit Geißlern, Kreuzziehern, Bruderschaften, Bildern und Statuen gehalten. Bis 1785 finden sich nun durchgehend Pulverrechnungen bei der erwähnten Rosenkranzbruderschaft.

Zu Fronleichnam 1620 steht in den Kheller- Ambts- Rechnungen des Stiftes Mattsee: Den Schüzen welche bey dem Umbgang geschoßen haben 1fl. Dieser Eintrag beweist die Teilnahme von Schützen, also rekrutierte Bauernsöhne und –knechte, bei der Fronleichnamsprozession. Diese Rechnung stellt übrigens den derzeit ältesten Nachweis einer Teilnahme von Schützen im gesamten Land Salzburg dar. Die Schützen waren höchstwahrscheinlich aus den 6 Ämtern des Pfleggerichtes Mattsee zusammengestellt, also jeweils 2 Schützen pro Amt. 1623 waren 12 Schützen neben Trommlern und Pfeifern erwähnt. Was die Schützen mit ihrem Lohn machten, zeigt bereits ein Hinweis aus dem Jahre 1621: In Festo Corporis Christi ist den Schizen für ein Trunkh geben worden. Für die Freudenschüsse wurden damals noch keine Prangerstutzen verwendet, wie 1638 erwähnt wird: Deto denen Schizen so sich bey der Procession mit Musqueten gebrauchen lassen pro bibali (zum vertrinken) bezalt. Die Schußgewalt nahm schließlich mit 1672 zu. Den 19. May werden zu Salzburg erkaufft 12. Eisern Feur Pöller am Crantzltag zu den Freudenschüssen zu gebrauchen trifft unserer Stiftskirchen zu dero contributions portion lit A 6fl 1ß 10d. Das Stift Mattsee beteiligte sich somit am Kauf der Böller. Ab wann genau in Lochen eine selbstständige Fronleichnamsprozession durchgeführt wurde, müsste noch näher erforscht werden. Auch der Einfluß der Marianischen Bruderschaft auf die Prozessionsgestaltung in Lochen wäre von höchstem Interesse. Die Teilnahme von Schützen in Lochen gilt jedoch als gesichert.

1807 wurde das Amt Lochen endgültig an das Innviertel angefügt. Doch alte Bande zu den Salzburger Schützen konnten nicht so schnell zerreißen. Da 1810 das Pfleggericht Mattsee salzburgisch und somit französisch/ bayrisch besetzt war, richtete der (nun österreichische) Kommandant des Schützenkorps zu Lochen im Innviertel nächst Fridburg namens Joseph Stumböck ein Schreiben nach Salzburg um hochgnädige Erlaubniß, daß auch die in diesem Bezirke liegenden Salzburgischen Bauern mit den Innviertlern aufziehen dürfen.

Da in Salzburg in diesem Jahr wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen jegliches Waffentragen und Schießen untersagt war, bat er um Ausnahme für jene Salzburger, welche bei ihnen „Mitglied“ waren.

Bey uns zu Lochen im Innviertl, Gerichts Friedburg, herrscht wie an andern Orten die Gewohnheit, daß daß junge Bauernburschn sich zusammenrotten, und am Fronnleichnamsfeste ein kleines Korps von Schützen formieren, die alda zur größern Solenität (Festlichkeit, Anm.) aufzuziehen pflegen.

Da sich nun von diesen faßt alle schon uniformirt, und zum Aufzuge alle möglichen Anstalten getroffen haben, auf so eine Weise aber all ihre Kösten umsonst sind, zu dem auch noch der Comandant ein Salzburger ist, und sohin das Korbs ohne Anführer wäre, so stelle ich hiemit im Namen der übrigen Salzburger Bauern die unterthänige Bitte, daß auch uns am Fromleichnamsfeste das Aufzühen mit den Inviertlern aus hohen Gnaden gestattet werden möchte. Ob den in den salzburgischen Nachbargemeinden liegenden Bauern die Erlaubnis erteilt wurde, ist leider nicht bekannt. Doch eines ist gewiß – dass es vor über 200 Jahren schon Festschützen in Lochen gab!

Der Brief stellt den eindeutigen Nachweis einer Prangerschützenkompanie, also einer reinen Festschützenkompanie, dar! Weiters ist anzumerken, dass der Prangerstutzen schon vor dem II. Weltkrieg in Lochen Verwendung fand.

 

Mit einem kräftigen                                                                                       Grobschützen Heil

 

Eure Prangerschützen Lochen